Fussgänger angefahren. Bundesgericht spricht nun Autofahrer frei

Unsere Fahrschülerinnen und Fahrschüler begegnen jeden Tag den zahlreichen Fussgänger und Velofahrer in Zürich und Umgebung. Keine einfache Aufgabe für die Fahrschule. Ich persönlich bin zu 100% überzeugt dass dies grundsätzlich überhaupt kein Problem wäre. Wenn der Gegenseitige Respekt und eine gesunde Portion Gefahrenbewusstsein sowie die entsprechende Aufmerksamkeit vorhanden sind. Natürlich immer auf beiden Seiten! 🙂

Ein Luzerner Autofahrer hatte im Dezember 2014 einen Fussgänger 6 Meter vor dem Fussgängerstreifen angefahren. Der angefahrene Fussgänger erlitt ein Schädelhirntrauma sowie Prellungen an Ellbogen und Oberschenkel.  Zunächst erhielt der Autofahrer ein Jahr nach dem Vorfall Post von der Staatsanwaltschaft. Wegen „nicht gewähren des Vortritts mit einem Personenwagen gegenüber einem Fussgänger auf einem Fussgängerstreifen“ erhielt er einen Strafbefehl mit Busse von 600.- Franken. Dagegen wehrte sich der Beschuldigte vor dem Kantonsgericht Luzern. Diese milderten dann die Busse auf 200.- aber der Schuldspruch blieb wegen „nicht Beherrschen des Fahrzeuges infolge mangelnder Aufmerksamkeit“. Die Begründung des Kantonsgerichtes war dass der Automobilist den Fussgänger hätte früher bemerken müssen. So hätte er eine Sekunde früher bremsen können und somit die Folgen des Unfall mildern können.

Freispruch dann vor Bundesgericht

Mit der Reduktion des Kantonsgerichtes war der Automobilist nicht einverstanden und verlangte vor Bundesgericht einen Freispruch. Er verteidigte sich damit dass er nicht damit habe rechnen müssen dass der Mann mehr als sechs Meter vor dem Fussgängerstreifen plötzlich auf die Strasse tritt.  Das Verhalten des Fussgängers sei überraschend gewesen. Daher treffe ihn ein grobes Selbstverschulden.

Das Bundesgericht folgte letztlich der Beschwerde.
Ursache des Verkehrsunfalls sei das unvorhersehbare, überraschende Verhalten des Fussgängers! (Zitat Bundesgericht)
Der Fussgänger hörte Musik, war dunkel gekleidet und tritt unvermittelt auf die Strasse um diese auf dem kürzesten Weg zu überqueren. Zudem waren Sicht und Wetter schlecht. Die Geschwindigkeit von 35-40 Km/h sei den Verhältnissen angepasst gewesen. Der Autofahrer wurde am 19.09.2018 frei gesprochen! ( Urteil 6B_1294/2017 )

Was viele Fussgänger nicht wissen

Fussgänger haben auf Fussgängerstreifen ganz klar Vortritt! Ebenso wenn sie vor dem Fussgängerstreifen stehen und Ihre Querungsabsicht zeigen. Lenkerinnen und Lenker müssen deshalb rechtzeitig die Geschwindigkeit reduzieren. Aber die Fussgänger dürfen trotzdem nicht Ihren Vortritt erzwingen. Insbesondere wenn das Fahrzeug bereits so nahe ist, dass es nicht mehr rechtzeitig anhalten kann ( Art 33 und Art 49 Abs 2 SVG sowie Art 6 und Art 47 Abs 2 VRV) Der Abstand zum Fussgängerstreifen ist nicht definiert aber das sich nähernde Fahrzeug muss rechtzeitig und ohne brüskes Brems- oder Ausweichmanöver anhalten können.
Wenn eine Verkehrsinsel den Fussgängerstreifen in zwei Teile trennt, gilt jeder Fussgängerstreifen als selbstständiger Streifen (Art 47. Abs 3 VRV )Somit muss der Fussgänger auf der Mittelinsel erneut sicherstellen, dass seine Vortrittsbedingungen auf für den den folgenden Teil erfüllt sind.

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